Känguru -Update-

Das kommunistische Känguru aus Berlin-Kreuzberg ist wegen Corona jetzt schon digital erhältlich. Kurz nach seinem Kinostart wurde das Experiment jäh abgebrochen oder unterbrochen? Ein vielversprechender Beginn mit 375 000 Zuschauer*innen, der diesem Film bis zur Schließung der Kinos den ersten Platz der Kinocharts bescherte.

Ja man kann diesen Film jetzt streamen. Der Filmverleih erklärt zum Streamingstart:

„In Solidarität und Partnerschaft beteiligen wir mit Unterstützung der Zuschauer die Kinos an den digitalen Erlösen“. Aus diesem Grund sei der Preis auch etwas höher, als für eine gewöhnliche Kinokarte oder einen Film im Stream. Ein maßgeblicher Anteil fließe an die Lichtspielhäuser, die den Film bereits zum Kinostart unterstützt hatten. Der Preis von rund 17 Euro wurde in der Mitteilung ebenfalls bereits genannt, und zwar direkt vom Känguru selbst. „Ich weiß, was ihr denkt. Das sind ja 34 Mark! Das sind ja 68 Ostmark! Das sind ja 340 Ostmark auf dem Schwarzmarkt“. Dass es sich dabei um einen solidarischen Preis für „quasi digitale Kinotickets“ handele, stellte es aber ebenfalls klar.

Nun zum Inhalt

Das Universum des Kängurus ist in sich geschlossen und hinreichend bekannt. In Radiokolumnen, als Podcast, in den Büchern 1-4, als Kartenspiel und Theaterstück musste natürlich der Kinofilm „Die Känguru-Chroniken“ folgen und so viel wie möglich von den Gags und Storys enthalten, die der gemeine Känguru-Fan schon im Schlaf mitsprechen kann.

Überraschung? Nöö!

Sollte jemand noch nicht wissen, worum es geht, hier eine kleine Zusammenfassung der Story des Films:

Mark Uwe ist eine (Klein-) Künstler. Eines Tages klingelt es an seiner Tür in Kreuzberg und vor ihm steht ein neuer Nachbar, ein Känguru, dass Eierkuchen backen will aber keine Eier hat und auch sonst so ziemlich nichts, was dazu nötig ist.

Das Känguru ist Kommunist und war beim Vietkong und es gilt im weiteren Verlauf des Films, klare Kante gegen Alte-, Neue- und Möchtegern-Nazis, Rechtspopulisten, Fremdenhasser, Frauenfeinde, Kapitalismus zu zeigen. 

Wer es bisher geschafft hat, sich dem Känguru-Phänomen zu entziehen und sich nun trotzdem an den Film wagt, wird schon nach wenigen Minuten feststellen, ob die Idee und der Humor zündet.

„Man hasst es oder man liebt es!“

So wie auch das Buch enthält das Drehbuch eigentlich keine wirkliche Story und reiht lediglich Gags in Slapsticksmanier aneinander, im ewigen Kampf Linkssympatisierende für Gerechtigkeit und gegen Fremdenhass und Kapitalismus.

Spaß für Fans

Fans dürften ihren Spaß haben, sich aber über einige Abweichungen wundern und enttäuscht sein, das es nichts Neues gibt.

Wirklich nichts Neues? Nun ja, die Freundin vom Dwigs, Jeanette, schwanger, clever und tatsächlich eine neue Figur, hervoragend gespielt von Bettina Lamprecht. Ob es gut oder schlecht ist, das Mark-Uwe Kling sich nicht selbst spielt, muss sich jeder selbst beantworten.Gut ist, dass er dem Känguru seine Stimme leiht, wie im Podcast und den Lesungen. Apropo, das Känguru ist hervoragend animiert und passt sich in den Film ein, als wenn es tatsächlich normal ist, dass ein sprechendes Känguru durch Berlin hüpft.

Wo ist Herta?

Entäuschend für mich ist Henry Hübchen, der einen schlecht persiflierten Trump gibt. Die Szenen mit ihm kommen einem auch immer ein bisschen vor, wie Szenen aus der Sendung mit der Maus oder Bibi und Tina. Schade! Um bei den Entäuschungen zu bleiben, auch Herta war in den Bücher „härter“ und der „Kopfdoktor“ ist für mich eine echte Fehlbesetzung.

Glänzend dagegen, Dimitrij Schaad, der die Hauptrolle hervoragend angenommen hat und neben dem Känguru nicht abfällt. Gut auch der Wink auf Arthur Dent aus dem Douglas Adams Universum Per Anhalter durch die Galaxis, der auch immer im Bademantel bzw. Pyjama rumläuft, obwohl Mark-Uwe im Film im Smoking sehr gut weg kommt.

Nach dem Erfolg bei allen anderen Känguru-Veröffentlichungen war der Film zwangsläufig eine Pflicht.  Für Fans ein Muss, obwohl der derzeitige Preis von 17 Euro für das Streamen doch happig ist, auch wenn es teilweise einem guten Zweck dient. Angekündigt ist, wenn die Kinos wieder öffnen, kommt das Känguru wieder auf die Leinwand. Da wird der ein oder andere Fan vielleicht auch warten. Für Neueinsteiger, also Ersttäter in Sachen Känguru, ist der Film nur bedingt geeignet, Kinder werden nur das Känguru witzig finden aber den Witz nicht verstehen.

3,5 /5

Beim nicht vorhandenen Bewertungssystem von Kino im Radio erhalten die Känguru-Chroniken 3,5 „Pinguine“ von 5 möglichen, wovon 1 Pinguin mein Fan-Bonus ist. Insider wissen warum Pinguine ;).

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Die Känguru-Chroniken, D 2020
Regie: Dani Levy.
Buch: Marc-Uwe Kling.
Mit Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, Henry Hübchen.
X-Verleih/Warner, 92 Minuten
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