Bird Box

Alles Übel beginnt in Rumänien. Ohne Grund geraten Menschen in Panik und begehen Selbstmord. Dieses Phänomen breitet sich Blitzschnell weltweit aus. Die hochschwangere Malorie (Sandra Bullock) kommt ahnungslos mit ihrer Schwester Jessica vom Ultraschall aus dem Krankenhaus, als auch dort das Chaos beginnt. Ihre Schwester stellt sich einem Bus in den Weg, Malorie entgeht mit Glück dem Wahnsinn und rettet sich in aus Haus.

Cut; 5 Jahre später

Nun mit zwei Kindern im Schlepptau, noch immer auf der Flucht vor den mysteriösen Wesen, die Menschen über die Augen in den Suizid treiben. Als sie über Funk von einen Ort der Sicherheit hört, der in 48 Stunden über den Fluss zu erreichen ist, macht sie sich in einem Ruderboot auf den Weg. Eine extrem gefährliche Wildwasserfahrt steht an. Das Boot ungeeignet und die Augenbinden dürfen auf keinen Fall abgenommen werden.

Cut; 5 Jahre zurück

Zurück zum Anfang der Apokalypse – den besten Szenen des Films. Die Hölle bricht schon nach wenigen Minuten los. Genial in der Intensität, schockierend in der Brutalität. Überraschend, wie es wirkt, wenn Menschen Gewalt gegen sich selbst und nicht gegen andere ausüben. 

Malorie verschanzt sich mit zufällig zusammengekommenen Überlebenden im Haus von Douglas (John Malkovich) und ab da sehen wir Situationen, die wir aus vielen (Zombie-) Filmen kennen. Die Protagonisten lernen sich kennen, versuchen zu ergründen, was passiert ist, Vorräte gehen zur Neige. Das geht natürlich nicht ohne Spannungen und Konflikte ab. 

Analyse

Der Film startet gut. Nach zehn gemächlichen Minuten der Einführung, wird der Film ungestüm und brutal von der Leine gelassen. Die Menschen verfallen dem Wahnsinn auf den Straßen und in Gebäuden. Sie überqueren bei Rot Ampeln, provozieren Unfälle, schlagen ihre Köpfe an Glasscheiben ein oder prügeln sich auf der Straße tot. Man kann gar nicht realisieren, das die ersten Minuten die Ruhe vor dem Sturm, der Panik ja der blanken Angst ist und Menschen auf offener Straße gleich dutzendfach zu Tode kommen.

Dass die Gegner unsichtbar bleiben und man nie die Ursache für die Apokalypse erfährt, tut Bird Box eher gut. Der sich immer wiederholende Zeitsprung fünf Jahre vor und zurück setzt die verschiedenen Teile des Films intelligent zusammen. Der Fluss-Sequenzen, die in der Gegenwart spielen, haben starke Momente, wenn wir mit unter die Augenbinde genommen werden und Geräusche verstärkt wahrgenommen werden.

Die beiden unterschiedlichen Zeitebenen sind qualitativ leider nicht immer auf gleichem Niveau.

Sandra Bullock

Sandra Bullock ist als Malorie großartig. In den sarkastischen Momenten als auch den  beängstigenden Szenen überzeugt sie. Während um sie herum alles im Chaos versinkt, muss sie zunächst Abschied von ihrer Schwester nehmen. Nur um später mit zwei Kids klar kommen zu müssen, von denen sie nicht mal ihr Eigenes haben wollte. Wenn Malorie an ihre körperliche und nervliche Grenze kommt, weil zwei Tage blind auf einer kleinen Nuss-Schale alles andere als ein Zuckerschlecken ist, zeigt Bullock, dass sie immer noch großes Starpotenzial hat.

John Malkovich

Ebenso ungewöhnlich ist John Malkovich. Iin der Rolle des muffigen Douglas sorgt er als notorische Misanthrop ständig für dicke Luft und miese Stimmung.  Seine beste Szene ist die im Supermarkt, wo er den Satiriker gibt und sein Glas erhebt und den Trinkspruch „Make the end of the world great again“ schmettert. Malkovich bereichert den Film und überzeugt, nutz sein Repertoire – wenn er eins hat – aber nicht aus.

Banales Finale

Ohne viel vorweg zu nehmen. Der Schluss des Films ist enttäuschend. Enttäuschend simpel und banal. Von vielen verpassten Chancen mehr aus diesem Film zu machen, reißt das Finale den Film vollends aus dem Blockbusterhimmel. Schade. Was im Übrigen auch den Umgang mit dem Thema psychischer Erkrankung betrifft. 

Bird Box gehört zu den Filmen, die praktisch exklusiv über Streaming-Anbieter Netflix zu sehen sind. Zum Unterschied anderer Exklusivtitel war Bird Box in einem sehr limitierten siebentägigen Kino-Release, bevor er dann am 21. Dezember 2018 auf die Streaming-Plattform wanderte. Dort startete der Film mit 45 Mio. Abrufen über Accounts sensationell.

Fazit

Bird Box beginnt stark mit einem bemerkenswerten Paukenschlag und hat gute Spannungsmomente auf dem Fluss. Der Film flacht aber immer mehr ab. Leider herrscht zwischendurch Leerlauf und die Haus-Szenen werden gerade in Bezug auf den Verlust des „Seh-Sinns“ nicht konsequent und effektiv genutzt. Wir werden nicht mehr überrascht, stattdessen sehen wir Szenen, die wir beliebige male schon in anderen Filmen gesehen haben.

(2+1 /5)

Bird Box bekommt von den nicht vorhandenen Bewertungssymbolen 2 Augen von möglichen 5 Augen plus 1 Auge als Bullock-Bonus von Kino im Radio.

Schau dazu auch die Rezension zu A Quiet Place an. Beide Filme kann man aber gut in der C-Krise schauen, da gibt es viel Schlechteres.

Bird Box, USA 2018
Regie: Susanne Bier
Mit Sandra Bullock, John Malkovich, 
Netflix / Globales Original, 122 Minuten
FSK 16.